21.01.2025
OEG-Traumaambulanz bietet Hilfe für Opfer von Gewaltverbrechen
Professionelle Unterstützung bei Traumata
Gewaltverbrechen ziehen häufig seelische Verletzungen nach sich, mit vielfältigen negativen Folgen für die Betroffenen. Die OEG-Traumaambulanz im St. Elisabeth Lahnstein bietet Hilfe und Unterstützung, um Traumafolgestörungen zu verhindern bzw. abzumildern. Im Interview erläutert die leitende Psychologin Stephani Albert Voraussetzungen, Ziele und Therapieansätze der Ambulanz, ebenso wie Maßnahmen zur Prävention und Stabilisierung bei psychischen Traumatisierungen.

An welche Personen richtet sich das Angebot der OEG-Traumaambulanz?
Die OEG-Traumaambulanz bietet Hilfe für Menschen, die Opfer eines Gewaltverbrechens geworden sind und unter den seelischen Folgen leiden. Solche Gewaltverbrechen sind häufig Kapitalverbrechen wie schwere Körperverletzungen oder Vergewaltigungen. Auch Augenzeugen schwerer Gewalttaten sowie Angehörige, beispielsweise von Mordopfern, haben Anspruch auf die Unterstützung durch die OEG-Traumaambulanz. Das soziale Entschädigungsrecht bezeichnet dies als sogenannten Schockschaden. Seit 2024 können sich zudem Menschen an unsere Ambulanz wenden, die Opfer seelischer Gewalt, wie etwa Stalking, geworden sind. Dabei ist es wichtig zu beachten, dass das Tatgeschehen in allen Fällen nicht länger als 12 Monate zurückliegen darf. Minderjährige Opfer können in unserer OEG-Ambulanz leider nicht behandelt werden.
Welche primären Ziele werden mit dem Angebot verfolgt?
Durch den schnellen Zugang zum Hilfesystem – meist innerhalb weniger Tage – soll der Entstehung einer Traumafolgestörung vorgebeugt oder bereits bestehende, traumabedingte Symptome gemildert werden.
Welche spezifischen Leistungen erbringt die OEG-Traumaambulanz? Gibt es besondere Therapieansätze für die Arbeit mit traumatisierten Menschen?
Das Leistungsspektrum einer OEG-Traumaambulanz umfasst die Diagnostik und Beratung der Betroffenen, die Aufklärung über Traumata und mögliche Traumafolgestörungen sowie Krisenintervention und Stabilisierung in 1 bis 5 Sitzungen. Hinzu kommen Hilfe und psychosoziale Begleitung im Umgang mit der außergewöhnlichen Lebenssituation und Unterstützung bei der Stellung des OEG-Antrages.
Inzwischen gibt es eine ganze Reihe traumaspezifischer Behandlungsansätze, wie z.B. die traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie, EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) oder IRRT (Imagery Rescripting & Reprocessing Therapy). Alle Ansätze eint das Ziel, das traumatische Erleben zu verarbeiten und in die Lebensgeschichte zu integrieren.
Inwiefern kann sich ein psychisches Trauma negativ auf die Gesundheit und das Leben des Betroffenen auswirken?
Die Auswirkungen eines seelischen Traumas sind vielfältig. Sie können sich in physischer Übererregung wie z.B. Schreckhaftigkeit, Schlafstörungen, gestörter Konzentration oder Anspannungs- und Schmerzzuständen äußern. Aber auch Ängste, sozialer Rückzug, Verlust von Lebensfreude oder wiederkehrende, sich aufdrängende Erinnerungen an das Tatgeschehen können auftreten. Dies kann dann mitunter zu massiven Beeinträchtigungen der Leistungsfähigkeit, der Belastbarkeit und der Lebensqualität der betroffenen Menschen führen.
Welche Maßnahmen helfen bei der Prävention und langfristigen Stabilisierung?
Präventiv und langfristig stabilisierend sind alle Methoden und Strategien, die dem Betroffenen helfen, aus diesem inneren Alarmzustand herauszukommen. Beispielsweise ist die Wiederherstellung der äußeren und inneren Sicherheit hierzu ein zentraler Baustein. Positive, vertrauensvolle Beziehungen wirken durch das Gefühl der Verbundenheit stabilisierend, ebenso wie positives Erleben durch das Ausüben angenehmer Aktivitäten. Bewegung, Stärkung der Selbstwirksamkeit und der Einsatz von Entspannungsmethoden sind weitere hilfreiche Strategien. Auch das Wissen darüber, wie Traumaverarbeitung stattfindet, kann zur inneren Beruhigung beitragen. Grundsätzlich kommt dem Sprechen über das Erlebte eine bedeutsame präventive und stabilisierende Rolle zu.


